10 Tipps, die deiner Band zu mehr Beachtung verhelfen werden — wenn ihr gut seid

10 Tipps, die deiner Band zu mehr Beachtung verhelfen werden — wenn ihr gut seid
12/04/2019 Timon

10 Tipps, die deiner Band zu mehr Beachtung verhelfen werden — wenn ihr gut seid

Nach zehn Jahren im Musikgeschäft drängen sich Hinweise auf, die man jungen Bands an die Hand geben möchte. Viel zu oft werden die gleichen Fehler begangen; viel zu selten kommen tolle Musiker*innen vorwärts. Wenn ihr die folgenden zehn Tipps beherzigt, werden sich eure Chancen drastisch verbessern.

10. Arbeitet euch auf der Bühne von unten nach oben — nicht umgekehrt.

Viel zu oft planen angehende Rockstars ihre erste Nordamerika-Tour, ohne dass sie vorher die nötige Fanbase aufgebaut haben. Aber: Leere Clubs und Hallen beeindrucken wirklich niemanden. Solange ihr euer eigenes Bundesland noch nicht erobert habt, braucht ihr euch um den nächsten Schritt keine Gedanken zu machen. Erspielt euch sukzessive eine Followerschaft, geht einen Schritt nach dem anderen, gebt bei jeder Show 110% (auch vor zwölf Zuschauer*innen) und euer Marktwert erhöht sich ganz automatisch — und organisch. Anders gesagt: Je schneller ihr vermeintlich wachst, auf desto wackligeren Beinen steht ihr.

9. Legt euch ein vernünftiges Pressekit zu.

Ihr spielt Musik und möchtet bekannter werden — super! Damit der nächste Schritt gelingt, seid ihr auf die Hilfe von Blogger*innen und Musikjournalist*innen angewiesen, die ein gutes Wort für euch einlegen und eure Botschaft verbreiten. Da Schreiberlinge meist unter chronischem Zeitmangel leiden, will dieser Schritt gut vorbereitet sein. Ein ansprechendes Pressekit sollte mindestens Folgendes umfassen:

— Antworten auf die W-Fragen bezüglich eurer Band (Wie heißt ihr? Welche Musik spielt ihr? Seit wann gibt es euch? Wo kommt ihr her? Wer gehört zur Band? Wo findet man euch im Netz?)
— Sofern ihr diese Frage beantworten könnt, und das solltet ihr, beschreibt, was euch von anderen Gruppen unterscheidet.
— mindestens ein hochauflösendes Bandfoto OHNE Logo und Watermark (Auflösung: 300dpi)
— den Namen des/der Fotograf*in
— euer Logo als freigestellte Vektordatei
— einen ansprechenden Pressetext, am besten von einem Profi geschrieben
— Ganz wichtig: eure Musik! Das funktioniert am besten über einen ungelisteten SoundCloud- oder YouTube-Link. Über Dropbox oder andere Cloud-Services könnt ihr auch mp3-Dateien verschicken.
— Falls es bereits ein Musikvideo gibt, packt gerne den entsprechenden Link dazu.
— Ein bisschen (!) Angeberei schadet meist nicht. Ihr habt euch bereits eine große Social-Media-Followerschaft aufgebaut, werdet bei Spotify regelmäßig gehört oder habt zufällig ein Konzert in New York gespielt? Diese Infos sollten in eurem Pressekit nicht fehlen.
— eure Kontaktdaten

8. Es gibt keine Cheat-Codes für nachhaltigen Erfolg.

Oder anders gesagt: Wenn etwas zu gut aussieht, um wahr zu sein, ist es in der Regel tatsächlich nicht wahr. Oder hat zumindest einen gewaltigen Haken. Scheut euch nicht, zu experimentieren und Neues auszuprobieren, aber hört auf euer Bauchgefühl, und lasst euch nicht blenden. Follow-4-Follow-Bots für Instant-Erfolg auf Instagram oder allzu überschwängliche E-Mails von fadenscheinigen Labels werden euch genauso wenig weiterbringen, wie Leute, die behaupten, sie könnten euch für lausige 19,99€ auf einer Spotify-Redaktionsplaylist unterbringen.

7. Bedenkt, dass ihr euch nicht nur Know-How, sondern auch Kontakte einkauft.

Okay, möglicherweise kann euer Kumpel Paul ganz gut mit Photoshop umgehen. Vielleicht ist ein Elternteil gut in Englisch und kann bei Übersetzungen helfen. All das ist für den Anfang schön und gut bzw. eine große Hilfe. Langfristig solltet ihr aber im Hinterkopf behalten, dass ihr mit euren Dienstleister*innen nicht nur die nötige Fachkompetenz einkauft, sondern auch Kontakte — die harte Währung des Musikgeschäfts. Klar, der Grafiker, der das letzte Tourplakat für Monster Magnet erstellt hat, mag etwas teurer sein. Er weiß aber auch, wie der Hase läuft, ist gut vernetzt und lässt beim nächsten Bier mit einem Kollegen vielleicht mal euren Namen fallen. Das gleiche gilt für den Musikjournalisten oder die Musikjournalistin, die euren Pressetext schreiben, für euren Merchandise-Hersteller… Ja, sogar die Auswahl des Tonstudios kann darüber entscheiden, ob einige Leute mehr von euch erfahren. Seid euch der Wirkung von Graswurzelbewegungen bewusst und sät eure Saat, wo es nur geht.

6. Nutzt eure Social-Media-Kanäle.

Die gute alte Mund-zu-Mund-Propaganda hat zwar nicht ausgedient, doch heute stolpern wir vor allem online über neue Musik, ob per Social Media, Spotify oder YouTube. Diese Kommunikationskanäle zu ignorieren, grenzt also an Fahrlässigkeit. So werdet ihr mit eurer Band nicht weiterkommen. Klar, manchmal kann es echt nerven, sich um etwa drei bis fünf Posts pro Woche sowie eine Instagram-Story pro Tag zu kümmern, die auch noch halbwegs unterhaltsam sein sollen. Langfristig lohnt sich der Aufwand aber — spätestens, wenn eine interessierte Plattenfirma einen Blick auf eure Profile wirft und bewertet, wie viel Mühe ihr euch bei der Kommunikation mit euren Fans gebt.

5. Geht euren Follower*innen nicht auf die Nerven.

Jeder von uns hat diesen einen Musikerfreund, der keine Gelegenheit auslässt, sämtliche Facebook-Gruppen vollzuspammen, die nicht bei drei auf den Bäumen sind. Davon, dass es für solche Beiträge in der Regel maximal zwei Gefällt-mir-Angaben gibt, lassen sich besonders beharrliche Wiederholungstäter nicht abschrecken. „Schaut mal, wir haben ein neues Video am Start!“, „Unser neues Artwork ist fertig!“ oder „Liebe Mitglieder von Metal Fans International, nächste Woche spielen wir für 3€ Eintritt im Jugendzentrum Wiedenborstel. Wir freuen uns auf euch!“ Solche Beiträge sind nicht nur wirkungslos, sondern können euch sogar schaden. Facebook- und Instagram-User möchten nämlich nicht genervt werden und entfolgen euch schneller, als ihr „Teilen“ anklicken könnt.

4. Stellt eure Facebook- und Instagram-Ads richtig ein.

Wenn euch ein wenig Social-Media-Budget zur Verfügung steht, reicht es nicht, bloß „Rockmusikinteressierte“ anzusprechen. Wer Pink Floyd hört, steht nicht automatisch auf Van Halen, richtig? Eben. Stellt eine Liste mit Bands zusammen, in deren Vorprogramm ihr passen würdet. Bleibt dabei realistisch und orientiert euch nicht unbedingt an den größten Playern eures Genres. Genau dort verstecken sich eure potentiellen Fans — sie warten nur auf euch!

3. Habt keine Angst davor, mit eurer Musik und euren ehrlich gemeinten Statements an die Öffentlichkeit zu gehen.

Das Wort „Shitstorm“ hängt wie ein Damoklesschwert über der Social-Media-Nutzung, doch davon solltet ihr euch nicht abschrecken lassen. Als Musiker*in steht ihr automatisch in der Öffentlichkeit, spätestens auf der Bühne. Wenn ihr ganz an die Spitze möchtet, führt kein Weg daran vorbei, dass eure Fans euch auch als Menschen kennenlernen möchten. Setzt euch lieber mit dieser Thematik auseinander und überwindet eure Ängste, statt stets einen Schritt zu wenig zu unternehmen, um nicht negativ aufzufallen. Solange ihr ehrlich bleibt, eure eigene Meinung vertretet und keine Arschlöcher seid, darf man auch als Musiker*in ruhig mal eine kontroverse Meinung veröffentlichen oder eine Diskussion anregen. Am Ende geht’s um Kunst, richtig?

2. Veröffentlicht nicht bloß Alben und spielt Shows, sondern lasst eure Fans an eurem Weg teilhaben.

Was sich in den Hotelzimmern der Sechziger und Siebziger abgespielt hat, kann man heute bloß noch erahnen. Ob The Who, die Rolling Stones oder Led Zeppelin: Um die größten Rockstars ranken sich stets auch die größten Legenden. Das sieht heute etwas anders aus. Live-Übertragungen ermöglichen es euch jederzeit, Kontakt zu euren Fans aufzunehmen und sie an eurem Musikeralltag teilhaben zu lassen. Damit meine ich sicher nicht jeden Gang zum Büdchen um die Ecke, aber wenn ihr euch bei der nächsten Bandprobe wieder einmal blind versteht, schmeißt ruhig das Smartphone an und lasst eure Fans daran teilhaben.

1. Übt fleißig, werdet richtig gute Musiker und entwickelt euren eigenen Stil.

All das wird nichts bringen, wenn deine Band den Proberaum und Schritte aus der Komfortzone meidet, denn ein minderwertiges Produkt kann selbst der cleverste Kopf nur sehr schwer vermarkten. Eure Social-Media-Beiträge können noch so witzig und eure Tourneen noch so umfangreich sein, wenn ihr euer Handwerk nicht beherrscht. Das Ganze verhält sich ähnlich wie mit einer Autowerkstatt: Beim ersten Mal werdet ihr den Mechaniker*innen einen Vertrauensvorschuss einräumen. Wenn ihr euer Auto aber nicht in tadellosem Zustand zurückerhaltet, werdet ihr dem Betrieb kaum eine zweite Change geben. Oder würdet ihr euch eine schlechte Band ein zweites Mal anschauen?

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